Typo3 ist ein weit verbreitetes sehr mächtiges content management system (CMS). Es umfasst Nutzerverwaltung, front end und back end und es gibt den Seitenautoren design und layout-Regeln vor. Alles wird auf dem Sever in einer Datenbank gehalten. Daneben ist PHP und ein Webserver (z.B. Apache) erforderlich, auf dem man gewisse Konfigurationsfreiheiten benötigt.

Die Vorzüge von Typo3 sind gut dokumentiert. Insbesondere wird darauf abgehoben, dass eine breite Autorenschaft ohne jegliche Kenntnisse in Web-Techniken und -Sprachen (HTML, CSS, JS usw.) eingebunden werden kann.

Warum sollte jemand von Typo3 weg wollen?

Bei aller berichteten Beliebtheit gibt es doch Fälle, in denen die Nutzer Typo3 nicht mehr wollen. Die Hauptgründe sind meist

  • zu wenig Freiheiten durch das enge Korsett der vom Admin/Programmierer vorgegebenen Designs oder Layouts. So bekommt man beispielsweise sachlich unpassende Navigationsspalten nicht weg oder kann keine Mehrsprachigkeit bieten, wenn das nicht “vorgekaut” ist.
  • keine Testvorschau
  • keine Versionsverwaltung (die den Namen verdient)
  • Die Seitenautoren kommen mit dem back end einfach nicht klar.

Der letzte und häufigste Wechselgrund mag erstaunen, da die voraussetzungslose Simplizität beim Schreiben meist der eigentliche Grund oder Vorwand zum Einführen von Typo3 war. Tatsächlich lässt sich das back end so frei konfigurieren bzw. programmieren, dass man kaum zwei Installationen mit gleichem back end- / Editor-Verhalten findet.

Deshalb gib es zwar dicke und gute Lehrbücher für Typo3-Admins / -Programmierer aber nichts Vergleichbares für die Web-Autoren. Stattdessen gibt es in manchen Institutionen nach Typo3-Einführung mehrteilige Schulungen, deren Umfang auch für einem HTML-CSS-Grundkurs gereicht hätte, womit man dann etwas Allgemeines und mit Lehrbüchern gut unterstütztes gelernt hätte.

Bei Institutionen kommt oft noch hinzu, dass man wegen der Komplikation der Typo3-Einrichtung und -Administration hierzu einen externen Dienstleister genommen hat. Dies kann auf Dauer zu zusätzlichen Problemen mit Kosten, Zuständigkeiten und Totzeiten führen.

Weg, aber wohin?

Wenn man wirklich weg will ist das Wohin die schwierigste Frage. Für die gegebenen Verhältnisse und Mitspieler muss die neue Lösung ja besser im Sinne von nicht mehr problematisch sein. Die Möglichkeiten sind

  1. anderes neu aufgesetztes CSM (mit PHP, Datenbank und back end)
  2. direkt oder mit leichter tool-Unterstützung erstelltes HTML (CSS, JS)
  3. statische site Generierung aus einfachen Sprachen, z.B. aus Markdown

Ziel 1, also wieder CMS, egal ob neues Typo3, Wordpress oder Ähnliches ist nach hinreichendem Leidensdruck i.A. “verbrannt” und soll hier nicht weiter betrachtet werden. Wenn doch, muss man dringend Konvertierungs- bzw. Export- und Import-tools klären – es sei denn der Web-Bereich ist winzig und man will Alles von Null an neu machen.

Ziel 2 ist direktes Pflegen von statischem HTML, CSS und JS. Mit geeigneten tools, Syntaxunterstützung und Versionsverwaltung (Eclipse und SVN z.B.) kann man allein oder in kleinen Teams erstaunlich gut arbeiten.

Vor Allem, wenn Autoren Inhalte (fast) ohne HTML-Kontakt bereitstellen und pflegen sollen, wird man das Ziel 3, d.h. statische site Generierung, z.B. mit Jekyll aus Markdown, anstreben. Der beste Weg dorthin führt aber über einen vollständigen, konsistenten, d.h. i.A. reparierten statischen Web-Auftritt.

Ziel 3 bedingt also meist Ziel 2, wenn auch nicht mit der dann fortgesetzten Pflege in HTML etc.

Go static – Ziel 2

Wenn man den kompletten betreffenden Web-Auftritt als statisches HTML hat und (via FTP) auf dem selben Server unter derselben domain bereit stellt, ist man Typo3 (und Datenbank und PHP) los und die Besucher merken nichts – außer vielleicht besserer performance.

Für ein komplettes statisches Abbild des Bereichs auf der Entwicklungs-workstation benötigt man glücklicherweise keine Konvertierungs- tools oder Datenbankzugriffe; lediglich der Webauftritt (mit http[s]) muss laufen. Man installiert sich das freie Tool WinHTTrack.exe – z.Z Version 3.49-2 – und lässt es laufen. Wichtig sind die Einstellungen

  • Local structure: site structure
  • rewrite links: Relative URI / Absolute URI

Das Ergebnis sollte mit einer file://-URL lokal laufen – hoppla wir haben eine lokale Testvorschau – und nach Hochladen auf den Server ist man, wie gesagt, fertig. Eigentlich.

Bei näherem Hinsehen erweist sich der von Typo3 als Ganzes gelieferte Bereich in den meisten Fällen als riesiges Durcheinander mit schrecklicher Verzeichnisstruktur, furchtbaren Dateinamen und ganz viel Überflüssigem. Dies sollte man mit einem entsprechenden Eclipse (bulk search and replace) nach und nach aufklären und “gerade ziehen”. Das ist mühsam, lohnt sich aber in vielerlei Hinsicht; insbesondere bekommt man eine Einsicht in Struktur und Aufbau des Auftritts.

Wenn man dabei ist, sollte man style sheets, Skripte und grundlegende Bilder in solchen Struktur (ab site root) ablegen.

├── assets
|   ├── css
|   ├── images
|   └── js

Dies entspricht den Gepflogenheiten bei Jekyll.

Dr. Jekylls markdown

Jetzt kann man relativ einfach zur Generierung eines statischen Web-Auftritts mit markdown und Jekyll übergehen. Hintergründe und Installation sind gut dokumentiert und leicht zu finden. Wenn man Github server pages verwendet – vielleicht auch für einen blog wie diesen – hat man das eh schon.

Das Ganze funktioniert auch ohne Github und ohne blog. Und mit das Beste daran ist die Vorschau-Funktion.

Der Übergang ist einfach und fließend zu gestalten, weil Jekyll

  a) alles statisch vorhandene einfach 1:1 kopiert und
  b) eine syntaktisch korrekte .html-Seite ein syntaktisch richtiges Template (in Jekylls template-Sprache Liquid) ist.

Ein solches template ist per se sinnlos, da es nur genau die eine Seite generieren kann. Findet man aber n .html-Seiten, die bis auf Titel und einen Inhaltsblock gleich sind, macht man daraus recht leicht 1 Template und n .md- (markdown) Dateien. Wenn man das beherrscht, ist das Eis gebrochen.